Die ersten Tage der neuen Woche waren geprägt von einem Lernprozess in mir selbst. Gelernt werden soll „Nein“ sagen. Wie bereits im letzen Blogeintrag berichtet, leidet man auf Reisen eher weniger unter Einsamkeit, wenn man nicht allein sein möchte.
Die Gesellschaft von Valdemar, der in Canada lebende Russe, der mir zum Ende der letzten Woche begegnet war, entwickelte sich mehr in Richtung nicht angenehm als angenehm.
Die Herausforderung liegt darin, das zu Formulieren und sich klar abzugrenzen. Es ist nicht wirklich etwas vorgefallen, das jetzt erwähnenswert wäre. Mehr waren es kleine Randerscheinungen die unterschwellig unangenehme Gefühle hervorgerufen haben.
Als Beispiel möchte ich beschreiben, dass Valdemar mir auf dem Marktplatz begegnet ist, der ein paar Tage direkt neben dem Dara Homestay aufgebaut war. Wir sagten Hallo und ich plauderte das das Popcorn das dort angeboten wurde so gut riechen würde. Prompt hatte Valdemar eine Packung gekauft und mir in die Hand gedrückt. Am nächsten Stand konnte ich ihn glücklicherweise davon abbringen, direkt das nächste Etwas für mich zu kaufen. Ich erklärte Ihm das es nicht nötig sei, etwas für mich zu kaufen und das ich wenn ich etwas haben möchte auch selber dafür sorgen könnte. Valdemar tat so als würde er gar nicht verstehen warum ich darauf solchen Wert legen würde. Am nächsten Tag gab es noch weitere Szenen dieser Art und das hat mich dann dazu bewegt auszusprechen, dass es ggf. besser ist keine Zeit mehr miteinander zu verbringen, damit hier keine falschen Erwartungen entstehen.
Meine Lehre ist: Ich muss mich nicht mit Dingen auseinander setzten die sich nicht gut für mich anfühlen. Die Welt ist große genug so dass man auch andere Wege gehen kann.
Trotzdem eher unangenehm. Insbesondere, da Valdemar zwei Tage spöter unvermittelt vor meiner Bungalow Tür stand. Da habe ich mir dann plötzlich doch Sorgen gemacht. Meine Nachbarschaft erklärte sich aber unmittelbar bereit die Augen offen zu halten und das Beruhigte mich. Mir war auch klar, dass ich im Zweifel hier im Homesstay bescheid sagen kann und dann sicherlich die thailändische Mafia jeden Abend unseren Hof bewacht 🙂
Ausgeglichen für diese Erfahrung wurde mit einem deutschen Paar als neue Nachbarn, die super super nett waren. Wir haben ein paar Tips ausgetauscht und ein paar Sonnenuntergänge mit einander verbracht. Jenny war selber ein Jahr lang gereist und so war es ziemlich spannend für mich, von Ihren Erfahrungen zu hören. Die Bilder die Sie auf Ihren Reisen gemacht hatte waren atemberaubend! David, Ihr Mann, und ich kamen sozusagen aus der gleichen Proffession. Also trafen wir uns meistens morgens. David auf der Terrasse mit Notebook, ich in meinem Zimmer auf dem Bett auch mit Notebook. Die Nerds!!
In meinem Paralleluniversum begegnete mir dann Veha. Veha ist Kambodianer und arbeitet hier in einem Resort. Im letzen Jahr hatte ich bereist mitbekommen, dass die Jobs wie Zimmermädchen, Kellner, Putzfrau usw. fast ausschließlich von Kambodianern besetzt sind. Die Arbeitsbedingungen hier in Thailand sind besser als in Kambodia. 10.000 THB pro Monat, Kost und Logie frei. Das sind umgerechnet ca. 200€ pro Monat. Man muss sich vor Augen halten, dass die Übernachtung in dem Resort in dem er arbeitet pro Nacht ca. 250€ kostet. Die Arbeitszeit umfasst eine 6 Tage Woche. Jenden Tag von 06:00 – 12:00 und von 16:00 – 21:00. Mit 5 Tagen Urlaub pro Jahr. Veha hat mir sein Zimmer gezeigt, das an Spärlichkeit kaum zu übertreffen ist. Der Auslöser für unsere Gespräche war der Umstand das er sehr gut English spricht. Klar war ich betroffen, aber die Möglichkeiten die mir zur Verfügung stehen um hier zu helfen sind auch begrenzt. Ich habe Ihm ein paar nützliche Links gegeben, wo er kostenlos sein Englisch verbessern kann und Ressource um HTML + CSS zu lernen. Er bat mich mit Ihm nach Trat zu fahren um dort nach einem gebrauchten Computer Ausschau zu halten und ich willigte ein.
Das bemerkenswerteste an diesem Trip war, die Beobachtung von dem Fähren Deal den Veha für uns eingetütet hat. Die Fähre schlägt normalerweise mit 600 THB pro Person / pro Fahrt zu buche. Er hat es irgendwie arrangiert, das wir für insgesamt 200 THB gefahren sind. Man stelle sich einen Fähranleger vor, an dessen Schalter eine lange, lange Schlange von Touristen steht. Veha passierte die Schlange und ging zu dem jungen Mann der direkt am Steg zur Fähre stand. Die beiden unterhalten sich kurz und gehen zusammen zum Schalter. Dort wird wieder geredet. Klar wahrzunehmen ist, dass es offensichtlich diskussionspotential gibt. Dann warten. Die Schlange an Touristen will gar nicht kürzer werden. Als sich das Getümmel endlich lichtet, gehen der von Veha angesprochene junge Mann und ein Mann der wie der Kaptötn aussehen gemeinsam zum Schalter. Ich kann sehen, dass der Kapitän einen Zähler in der Hand hält und am Schalter den anderen Mitarbeitern 6 Finger mit den Händen zeigt. Ich gehe davon aus, dass es sich um die Anzahl an Personen handelt, die noch an Board können. Die Schlange mit Touristen ist noch nicht ganz zu Ende. Tröpfchenweise trudeln immer noch welche ein. Die Diskussion am Schalter nimmt zu. 8 Personen reden miteinander, zwar ohne Streit oder das es Laut wäre, aber es ist klar wahrzunehmen das es eine Diskussion ist. Sofern ich richtig gezählt habe, sind die 6 Personen mittlerweile auch an Bord und ich frage mich ob wir überhaupt noch mitfahren dürfen. Die Jungs am Steg fangen an diesen zu lösen und plötzlich wird uns gewunken an Board zu kommen. Dieses Schauspiel war für mich ein Inbegriff der asiatischen Kultur. Es wird immer eine Lösung gefunden und auch für die die Wenig haben wird gesorgt. Man muss nur Fragen 🙂
Auf dem Mainland angekommen ging das Schauspiel der grandiosen Organisation weiter. Mit Anhängern die Ähnlichkeit mit einem Golf Caddy haben ( nur eben für 50 Personen) werden die Menschen vom Pier zum nächsten Rasthof/ Tankstelle gekarrt. Dort werden Sie auf die Vehikel zu weiterreise verfrachtet und obwohl das zusehen von Außen chaotisch wirk, so kann man sich doch absolut sicher sein, dass in der Regel keiner vergessen wird. Veha und ich werden mit einem Taxi in die City von Trat gefahren und dort angekommen wird mir sofort wieder klar, das ich auf keinen Fall in einer solchen Stadt leben könnte. Unser Weg führt uns als erstes in eine Markthalle die so voll ist mit Dingen, dass es schwer für mich ist diese Reizüberflutung zu erfassen. Alles ist auf engstem Raum gestapelt, es ist Bunt und es ist viel. Veha nimmt mich mit in eine Suppenküche, wo ich eine der besten Nudelsuppen esse, die mir auf der bisherigen Reisezeit begegnet. Misstrauisch werden wir beäugt als ungleiches Paar. Von dort aus, laufen wir etwas durch die Gegend. Leider hat der Shop den Veha besuchen möchte geschlossen und so machen wir uns auf die Suche nach einer Alternative. Veha organisiert uns ein Motoradtaxi und das bringt uns zu einem Store in dem man neue Computer kaufen kann. Die durchschnittlichen Preise sind in etwas mit den europäischen Preisen zu vergleichen. Ein neuer Computer liegt bei ca. 26.000 THB was so ca. 580€ entspricht. Leider weit überhalb Veha’s Budget. Also auf zum nächsten Laden. Wir fahren mit dem gleichen Motorradtaxifahrer. Nach 2 weiteren Anlaufstellen, finden wir endlich einen Shop in dem man auch gebrauchte Computer kaufen kann. Leider liegen alle Angebote trotzdem über Veha’s Budget. Wir schließen den Ausflug also mit einem Besuch im Supermarkt, wo ich Kaffee und Käse einkaufe und treten die Rückreise an. Da wir alle Strecken mit den gleichen Motoradtaxifahrere gefahren sind und mehrere male die gleichen Orte in der Stadt passiert haben, habe ich am Ende des Ausflugs das Gefühl mir in der Stadt auszukennen. Überall wo wir uns nach dem Weg erkundigt haben, oder andere Fragen an die Menschen auf der Straße gerichtet haben, wird uns mit eine beispiellosen Freundlichkeit begegnet. Überall hat man nach wenigen Minuten das Gefühl zur Familie zu gehören. Das ist wirklich schön!
Ein erlebnisreicher Nachmittag wird mit einem schönen Abendessen im Fishermans Hut abgeschlossen. In Gesellschaft von Jenny, David und Tom genießen wir das außergewöhnliche Ambiente des Restaurants, die Live Musik die dort zum besten gegeben wird und das gute Essen. Kaum zu glauben aber David entscheidet sich für ein Rumpsteak – von dem ich behaupten würde, es sei eine schlechte Idee so etwas in Asien zu bestellen, aber David ist begeistert. Der Abend gehört zu denjenigen, von denen man sich wünscht sie möchten nicht Enden und einfach so leicht und unbeschwert weiter andauern. Nebenbei wurde ich 45.
Jenny und David reisten ab und ich fand mich zurück in meiner Routine zwischen Arbeit, Schwimmen und Sonnenuntergang. Einer meiner Lieblingsplätze zum arbeiten ist das Sunshine Ressort. Das liegt ganz im Süden der Insel. Dort ist auch Gum’s Lonley Bar, die aus meiner Sicht eins der „Hidden Gem’s“ hier auf der Insel ist. Die Bar liegt am Flus. in einem auf Stelzen gebautem Haus, dass von Mangroven umgeben ist. Das Haus ist aus Holz und sehr alt. Das was den Ort so besonders macht, ist die Einrichtung und deren Betreiber. Die Bar wirkt wie eine Bar aus Berlin Kreuzberg oder so und Gum und seine Freundin sind so herzlich, locker und offen. Mit ganz viel Liebe zum Detail, wurde hier Stück für Stück aus alten Dingen etwas neues geschaffen. Farbenfroh, offen und freundlich ist das Ambiente und ebenso die Besitzer. Gum, dem die Bar gehört, verrät mir noch das das Haus das erste Haus in diesem Dorf gewesen ist. Ich bekomme eine fantastische Limonade serviert, die mit dem Extrakt von blauen Blumen verfeinert wird. Meinem langsam eher alzheimerisch funktionierendem Hirn ist es zu verdanken, dass ich mir den Namen der Blume nicht merken konnte. Ich kann aber sagen, dass ich auf Anraten der Hausherrin die Blüte der Blume gegessen habe und ihr Geschmack mich an Klee erinnert hat. Süß wie wilder Bienenhonig!
Ebenfalls süß wie wilder Bienenhonig möchte ich das Engagement von David nennen. Nach meinem Bericht von dem ich nenn es mal „erfolglosen“ Trip nach Trat berichtet habe, hat David angeboten ein altes Notebook nach Thailand zu senden, wenn er wieder in Deutschland ist. Das soll dann Veha bekommen. Der Versand kostet normalerweise um die 60€ und da kann man doch von Glück sprechen, dass mir in den Sinn gekommen ist, dass mein guter Freund Michael doch bald hier hier kommt. Er kann das Notebook dann einfach mitbringen! Yeah!
Keine Ahnung warum ich so ein Altruist bin! Ich glaube halt 20€ tun mir nicht weh. Falls es noch jemandem genauso geht, hab ich ein Spendenkonto auf PayPal für Veha eingerichtet.
Kaum sind die einen abgereist, stehen schon die nächsten Gäste auf der Veranda. Diese mal hat mir das Schicksal Francesco herbei gerufen. Wie man unschwer am Namen erkennen kann, Francesco ist Italiener. Da er schon oft auf der Insel war, bietet er mir an mich am nächsten Tag zu einem geheimen Strand zu bringen. Da der Strand geheim ist, schreibe ich nichts darüber. Aber ich ich kann sagen das seine Beschreibung kein bissen untertrieben war. Paradies! Kaum ein Mensch da und so unglaublich schön das man sein Glück nicht fassen kann. Ich schwamm also innerlich vor mich hin glucksend in dem türkis-blauen Wasser umher und konnte das grinsen in meinem Gesicht nicht mehr abstellen.
Zum Nachmittag haben wir eine verlassene Behausung in der Nähe besucht und sind dort unverhofft auf eine Schar sehr schöner und teilweise auch recht großer Gekkos gestoßen. Zum Essen sind wir dann ins Baan Mankok – Noch so ein „Hidden Gem“ – Über einen unscheinbar wirkenden Steg geht man in die Mangroven. Am Ende des Weges erwartet einen dann eine Ansammlung von mehreren Häusern die wie Gum’s Bar am Fluss liegen. Wir bestellen was zu Essen und es ist so lecker, dass ich auf jeden Fall öfters dort sein werde. Nach dem Essen erklärt mir Francesco das man im Ruheraum nebenan, nach dem Essen noch eine Art Tee genießen kann. Ich hoffe das die Impressionen halbwegs wieder geben wie schön es dort war.
Alora! – Dann bis zum nächsten mal 🙂
















































