Kurz bevor ich ins Bett gehen wollte, habe ich noch Meg kennengelernt. Meg, ca 30 Jahre alt, amerikanerin, Online Englisch Lehrer für vornehmlich chinesische Kinder und Ballettschülerin. Sie lebt für 2 Monate in Bangkok und schreibt in Ihrer Freizeit gemeinsam mit Ihrer Schwester einen Blog der sich an Frauen in der Programmierung richtet. Klar hatten wir sofort ein Gesprächsthema. Da sie sich auch gern den Co-Working Space ansehen wollte in dem ich einen Platz gemietet habe, haben wir uns für den nächsten Tag verabredet. Ich kann mir nicht helfen aber BKK schafft mich jedesmal. Der ca. 30 min. Fußweg ist von so unglaublich vielen Eindrücken überladen, dass man sicherlich 5 DIN A4 Seiten damit füllen könnte. Die Gegensätze zwischen Alt und Neu führen regelrecht einen Krieg gegeneinander. Diese Beschreibung bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Thailand ist nicht für Fußgänger gemacht. Gehwege sind nur rudimentär vorhanden und so hat man auch beim gehen das Gefühl durch ein Kriegsgebiet zu laufen. Hoch, runter, rechts, links – hektisches auf- und ab. Der Blick wechselt zwischen den imposanten Gebäuden und Gebilden und dem möglichen Fußweg hin- und her. Endlich am Co-Working Space angekommen bin ich erst etwas verwundert, denn ich hatte diesen eigentlich in einem Hochhaus erwartet, aber dann angenehm überrascht wie flexible und entspannt die Mitarbeiter auf meine Sonderwünsche reagieren. Nicht nur das ich mich am völlig falschen Ort befunden habe, sondern ich auch noch meine Guthabentage für den Space auf Meg übertragen möchte, was eigentlich nicht möglich ist. So ist Thailand – kein Problem! Nach ein paar Stunden arbeit im Strom der Klimaanlage, wird mir langsam kalt und ich muss mir eingestehen das das WLAN in meinem Guesthouse genauso gut ist wie im Co-Working Space. Also gibt es erstmal keinen Grund am nächsten Tag nochmal hin zu gehen. Meg muss nachmittags unterrichen und ich spaziere zum nächsten SOI um mir was zu Essen aus einer der vielen Garküchen zu besorgen. Nudelsuppe to go, im praktischen Bausatz Format. Nach dem Essen treffe ich für den nächsten Tag noch eine Verabredung mit ein paar wildfremden Menschen aus der Facebook Gruppe Bangkok Digital Nomads. In BKK scheint es nicht so wie bei uns üblich zu sein, sich in offenen Gruppen zu treffen. Ich bin also gespannt was mich am nächsten Tag erwartet. Hier erstmal die Impressionen von Mittwoch.
Die Nacht zum Donnerstag wurde ich dann böse vom Jetleg befallen. Er hielt mich bis 4 Uhr Nachts wach, was dazu geführt hat, dass ich am nächsten Tag erst um 12 Uhr wach geworden bin. Kaffee, Dusche, Frühstück und los, artete das Treffen mit den digitalen Nomaden fast in Stress aus. Beim Fußmarsch zum Treffpunkt stelle ich fest, dass sich mein Inneres schon ein wenig mehr an BKK gewöht hat und ich nicht mehr ganz so nervös durch die Gegend schaue.
Die beiden digitalen Nomaden sind Dave und Marchello. Dave, offiziell nach Thailand migriert und Videojournalist, treffe ich als erstes. Sein blau gefährbter Kinnbart macht mich zunächst etwa stutzig. Auf meine Nachfrage was es damit auf sich hat, erklärt er mir, dass es sich zunächst um eine Halloween Verkleidung gehandelt hat. Das Halloween vor 2 Jahren, zu dem er mit seiner Frau ausgegangen ist. Sie ist kurz danach an Krebs verstorben. Im Prozess der Trauer, stellte sich durch Zufall heraus, dass diese Form des Krebs die Farbe Blau als Erkennungbild festgegt hat. So wurde aus einer Verkleidung ein Statement. Das hat mich beeindruckt. Aufgrund seiner Einwanderung nach Thailand ist Dave auch der thailändischen Sprache mächtig und mit einer Reihe von Gepflogenheiten der Kultur vertraut. Leider fallen mir erst am nächsten Tag ungefähr 100 Fragen ein, die ich gern noch an Dave gerichtet hätte. Da ist es gut zu wissen, dass wir in Kontakt bleiben. Besonders schön fand ich das Dave mir zu einem Thailand Learning mehr verholfen hat, in dem er meiner Bitte mit dem Motoradtaxi nach Hause zu fahren assistenz geleistet hat.
Marcello aus Chile, ca. Anfrang 30, Business Coach für Unternehmer ist ebenfalls ein sehr angenehmer und interessanter Zeitgenosse. Von Ihm habe ich zahlreiche Tipps für Orte erhalten, die es sich zu besuchen lohnt. Auch gab es Gemeinsamkeiten in der persönlichen Reisegeschwindigkeit. Ebenso wie ich, hat sich ein Zeitraum von ca. einem Monat an einem Ort als angenehmer wie zwei Wochen Abschnitte rausgestellt. In der 3er Gruppe sprechen wir über die Eigenheiten der digitalen Nomaden in Bangkok und die nächsten Ziele die auf der Reiseliste stehen. Toll so ein Austausch. Zurück im Guesthouse angekommen hoffe ich nur, dass mir in dieser Nacht mehr Schlaf vergönnt ist und gehe direkt ins Bett.
Leider werde ich am nächsten Morgen ca. 30 min zu spät wach, was mich mein Frühstück kostet. Vom Taxi fahren rät mir die Mitarbeiterin im Guesthouse ab, es sei zu viel Berufsverkehr. Also schultere ich meine ca. 15kg Gepäck und latsche los Richtung Ekkamai Bus Terminal. Auf dem Weg stelle ich fest, das ich kein Internet habe. Ich versuche mich also durch zu Fragen zum richtigen Ort durch zu schlagen. Was darin endet, dass ich die Treppen zum BTS, zwecks Übergang auf die andere Straßenseite gleich zwei mal überwinden muss. Komplett durchgeschwitzt schaffe ich es um 5 vor 8 am Schlalter im Bus Terminal zu sein um dann einen Aha-Effekt vom feinsten zu erleben. Der 8 Uhr Bus sei voll, sagt mir die Dame am Schalter und möchte mein Anliegen das ich doch die Fähre um 14:30 nach Koh Mak kriegen will nicht verstehen. Stimmt ja – fällt es mir ein. In Thailand sollte man besser nichts planen, sondern fest darauf vertrauen das man irgendwie ankommt. Ein wenig ärgerlich über mich selbst, dass ich daran nicht gedacht habe und nun auf mein Frühstück verzichtet habe, nehme ich am Steg 17 platz. Ich sehe mich um und stelle fest, dass ich nur relative wenig andere Touristen wie mich sehe. Plötzlich fäng eine Musik aus den Lautsprechern an zu spielen und alle Menschen stehen auf und drehen sich, anmutig blicken in eine bestimmte Richtung. Ich schaue mich um, und überlege ob ich mich dem Gruppenzwang hingeben soll oder nicht. Auf Facebook kursierte mal ein Video mit der gleichen Thematik. Fake oder Echt? Da die Musik wie eine Nationalhymme klingt, entscheide ich mich für echt und stehe auch auf, was wohlwollend von dem umstehenden Menschen zur Notiz genommen wird. Krasse Tradition!
Irgendwann geht dann die Fahrt richtung Trat los. Busreisen gibt es in Thailand in verschiedenen Varianten. Ich habe sehr gute Erfahrung mit der Variante Minibus gemacht. Der kleine Schukarton schafft es bis zu 15 Personen zu befördern und die Reisegeschwindigkeit ist dabei schneller als mit einem großen Bus. Über den Reisekomfort kann man streiten. 230 THB machen das Preis-Leistungsverhältnis für mich akzeptabel. Die erste Stunde bin ich nervös ob ich die Fähre wohl noch bekommen kann, dass wird jedoch irgendwann von Reisemüdigkeit abgelöst. Unterwegs mache ich ein paar Schnappschüsse von der Umgebung. So als nicht-profi gelingt es mir nur rudimentär diese Eindrücke einzufangen. Ganz wie erwartet, kommen wir irgendwann am Wechselpunkt für die Fähre nach Koh Chang an und dort werde ich von den Organisatoren gleich mit aus dem Bus gezogen. Krasse 600 THB knüpfen die mir ab, die mir das Privileg verschaffen entspannt mit dem Schnellboot um 16 Uhr nach Koh Mak übersetzen zu können. Wusste ich es doch – alles kein Problem.
Am Leam Sok Pier angekommen treffe ich neben zwei Mitreisenden auf eine entspannte Atmosphäre. Am Pier ist alles gechilled und es ergibt sich eine Gelegenheit die erste frische Kokusnuss zu trinken. Ach was hab ich das vermisst! Das Zeug ist einfach super! Erfrischend und zuckerhaltig, bin ich der festen Überzeugung das junge Kokusnüsse ein echter Jungbrunnen sind. Die Fahrt mit dem Schnellboot kann man sich als ca. 15 Personen Motorboot vorstellen. Aufkommende Zufriedenheit macht sich zeitgleich mit dem glitzern auf dem Wasser bemerkbar. Ca. 55 min. soll die Fahrt nach Koh Mak dauern. Der kurz nach dem Start aufkommende kurze Regenschauer hat mir abverlangt die Tasche mit meiner Elektronik in höchstem Maße mit meinem Leben zu schützen. So konnte ich nur wenige Impressionen von der Überfahrt machen. Von hinten zwar komplett Nass geworden, aber die Kiste ist trocken geblieben. Zum Glück ist „komplett Nass“ bei den Temperaturen ein Zustand von kurzer Dauer. Da ich der letzte Passagier war, der von Bord gehen musste war es mir vergönnt, dem Kapitän bei einem gekonnten Einparkmanöver beobachten zu können. Das Wasser in der, ich nenn es mal Mini-Bucht, war sehr sehr niedrig. Dazu kam das, dass was ich hier Bucht nenne nur durch große Steine die sich im Wasser befanden geformt war. Das nichtvorhanden sein eines Anlegestegs wurde, durch das Anlegen an einem alten Boot längsseits ersetzt, dass ich dann durch überqueren des Bootes und anschließendem Balanceakt über zwei dünne Holzbretter abschließen durfte. Echt abenteuerlich!. Der Kapitän brachte mich dann mit dem Motorroller die letzten Meter bis zu meinem Bungalow – Talay Time auf Koh Mak.
Talay Time erinnerte mich sofort an mein Touchdown vor einem Jahr auf Koh Phangan. Luftfeuchtigkeit gefühlt 280%, Dschungel aber eine wunderschöne Aussicht. Der Bungalow eigentlich super, nur der Kühlschrank fehlte. Sauber, großes bequemes Bett und der Blick direkt aufs Wasser. Die Besitzerin der Anlage super lieb und absolut bemüht, hat mich dann noch mit meinem ersten PahThai beglückt und dann bin ich ziemlich schnell eingeschlafen. Geschlafen habe ich realativ ruhig. In der Nacht muss ein größeres Tier über den Bungalow gelaufen sein, denn von den Schritten wurde ich kurz wach. Auch ist ein kleiner Regen niedergegangen. Nun war der Vergleich mit Koh Phangan komplett. Dort hatte es im Jahr zuvor auch direkt in der Nacht nach meiner Ankunft angefangen zu regnen. (Und dann ein paar Tage nicht mehr aufgehört). Eigentlich hatte ich geplant am nächsten Morgen mit dem Motorroller die Insel zu erkunden und dann nach einer weiteren Nacht eine Entscheidung zu treffen. Aber schon in der Nacht hat sich ein – Nein – in mir Breit gemacht. Wahrscheinlich redet man sich dann alles mögliche ein, damit man sich auch ja recht geben kann. In jedem Fall wurde mein Nein am nächsten Morgen recht schnell durch exerziert. Kein Kaffee im Zimmer, verpennt beim Frühstück sitzen, das nur aus süßem Zeug oder Fleisch besteht und dann die Hände auf den Rechner legen und das Gefühl haben darunter entwickelt sich ein See. Der Fehlende Kühlschrank und die sich mir nicht erschließen wollende fehlende Arbeitsumgebung gaben mir Argumentation genug mich auf 12 Uhr für die Fähre nach Koh Chang zu buchen. Ohne Rechner wäre der Platz allerdings ein Traum gewesen.
Um 11 am Pier von Koh Mak angekommen werde ich von der Schönheit des Anblicks gerade zu erschlagen. Grandioses, klares, türkises Wasser. Tadelloser Strand. Nette Bars und kaum Leute. Die angenehme Atmosphäre wirkte beruhigend auf mich und ich gönnte mir erstmal eine Kokusnuss. Alle Menschen die ich sehe, machen dein Eindruck als wären Sie nur wenige Tage auf der Insel gewesen. Hatte ich mich vielleicht doch zu früh für Koh Chang entschieden? Der indigen wirkende Kapitäen des wooden Boat war ein echter Blickfang. Lange Schwarze Haare, der Oberkörper voller Tatoos und ein bemerkenswerter Gürtel aus hölzernen Penisen in unterschiedlicher Größe, ließen den Eindruck von Tradition entstehen. Genau so würde ich mir einen thailändischen Fischer vor 100 Jahren oder so vorstellen. Die Fahrt auf dem Holzboot war ruhig und gelassen. An Bord macht ich Bekanntschaft mit einer Frau die bereits seit mehreren Monaten allein unterwegs war. Ihr Beine waren übersäht mit Bissen von Sandfliegen. Diese sollen auf Koh Mak an fast allen Stränden vorkommen. Richtige Entscheidung!! Am Pier von Bong Bao angekommen wurden wir von dem Kapitän zu einem kostenlosen Taxi geleitet. Jeder am Pier, schien den Mann zu kennen. Aus den zahllosen Ständen mit Waren für Touristen wurde gegrüßt und gelacht, gewunken im vorbei gehen ein paar Worte zugerufen. Falls ich dem Mann nochmal begegene werde ich versuchen zu erschließen ob dieser Mann irgend eine besondere Rolle spielt.
Im Taxi angekommen blickte ich bald auf die vertrauten Straßen und gefährlichen Kurven von Koh Chang. Jäh wurde mir bewusst, das überall gebaut wurde. Obwohl noch viele vertraut war, hatte sich doch sehr viel verändert. Meine geliebten Krongtarabungalows funkelten mit mir mit einer neuen Leuchtreklame entgegen und ich konnte es kaum abwarten endlich dort anzukommen. Neben der Einfahrt rechts gelegen war im Vorjahr Grün. Nun war dort grade ein neues Gebäude am entstehen. Das Personal erkannte mich und es war kein Problem nahezu alle meine Wünsche sofort umzusetzen. Die Kaffemaschine von Armin war noch da, ich konnte wieder ein Zimmer zur Ostseite direkt neben dem Router haben. Alles sah noch so aus wie ich es in Erinnerung hatte. Endlich mal irgendwo ankommen! In minutenschnelle hatte ich ausgepackt, war einkaufen und freute mich darauf endlich ein Brot mit Käse essen und dazu einen echten Kaffee genießen zu können. Plötzlich hatte ich einen argen Drang eine Zigarette zu rauchen. Das erste mal sei dem ich am 06.11 losgeflogen war. Wahrscheinlich assozierte mein Gehirn damit das höchste Maß an Genuss das in diesem Moment sein konnte. Ich blieb standhaft, freute mich jedoch über dieses heimelige Gefühl.
Mein Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. Bereits beim Eintreffen auf Koh Chang war der Unterschied zwischen der Menge an Menschen, Lärm, Dreck usw. im Vergleich zu Koh Mak schon ganz schön krass. Wärend ich also so in meinem Bungalow sitze fällt mir auf wie laut die Straße ist. Das war letzes Jahr auch so, höre ich mich zu mir selber sagen. In der Autowerkstatt die gegenüber liegt wird irgendwas sehr lautes gearbeitet. Hört gleich auf, sage ich zu mir. Als es in der Autowerkstatt ruhig wird, setzt sich plötzlich ein lautes Piepen das das ganze Dorf erfüllt durch. Marke ala Kreissäge nur schriller und lauter. Entspann dich Natalie!. Ich trinke 3 Bier, schaue noch etwas fern und schlafe schnell ein.
Meine Nachbarn kommen so gegen 2 Uhr nach Hause. Einer von den dreien hat Besuch mitgebracht. Dank dünner Wände bekomme ich mich, dass noch geraucht und geredet wird. Als Ruhe eingekehrt ist, machen mir die Moskitos das schlafen schwer. Daran gewöhnst du dich! War beim letzten mal auch so! Die Nacht ist um 5 zu Ende als das laute Piepen – gefühlt aus der Autowerkstatt gegenüber – wieder einsetzt. Kurz danach geht ein Presslufthammer los. Diesmal scheint das Geräusch direkt neben meinem Bungalow zu sein. Der Lärm der Straße hat auch schon eingesetzt. Um halb neun habe ich entschieden alles Rückgängig zu machen und am nächsten Tag nach Koh Kood zu fahren. Fällt mir zwar schwer aber für diesen Geräuschpegel auch noch Geld zu bezahlen seh ich irgendwie nicht ein.
Ich spreche mit dem Staff, zahle die zwei Nächte, bekomme mein Geld für den Roller anstandslos zurück und beschließe den Sonntag dazu zu nutzen all die Orte zu besuchen die mir so in Erinnerung geblieben sind. Auf zu den KP Huts! Den Abend schließe ich mit einem Massaman Curry an der Mandalay Bar und dem einsetzenden Sonnenuntergang ab. Hervorragend!
Dann auf in eine neues Abenteuer!





























































