Da das Leben in der Werft nicht auf weibliche Bedürfnisse ausgerichtet ist, darf man in manchen Bereichen nicht zimperlich sein. Ich möchte nicht alles detailliert beschreiben aber um es etwas zu verdeutlichen stehen mir aktuell folgende Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. Nasszelle im Wohnmobil, eine Art Dixiklo und ein Container mit Bad. Möglichkeit A und B wenig attraktiv und Möglichkeit C, der Container wegen fehlendem Schlüssel nicht möglich. Also habe ich mir am Morgen das Rad geschnappt und bin ins Dorf gefahren um die Möglichkeiten in mittelbarer Umgebung zu erkunden. Eingebracht hat mir das ein herrliches Sandwich, gebacken mit Käse und Tomaten, einen frischen Cappuccino und ein ungestörtes, sauberes stilles Örtchen in einem Restaurant am Hafen. Herrlich!
Nach meiner Rückkehr zur Werft habe ich Audra kennen gelernt. Sie wohnt aktuell zwei Schiffe weiter, kommt aus Litauen und ist im Besitz des begehrten Schlüssels zum Container den ich mir für sagenhafte 1€ im Dorf nach machen lassen habe. Mit gepackter Tasche und voller Hoffnung auf eine vernünftige Dusche traf ich Sie dann im Container wieder. Audra ihrerseits Schneiderin hat sich dort in einem Raum eine Näherei eingerichtet und wir haben ein wenig geplaudert. Aktuell näht sie dort Kissen- und Matratzenbezüge für die Schiffe, ist aber eigentlich in der Mode beheimatet. Sie hat mir ein paar Bilder Ihrer Kollektion gezeigt, die mir gut gefallen hat. Die Modelle aus Leinen sind mit einem Stoff verarbeitet der Metall enthält so das der Stoff, wenn er gerafft wird, seine Form behält. Ein Modell gefällt mir so gut, dass wir vereinbart haben das ich mal schaue ob es was für mich ist. Unser Gespräch hat den Umstand, dass das Wasser im Container abgestellt war überdeckt. So war ich zwar froh eine Leidensgenossin getroffen zu haben aber die ersehnte Dusche blieb aus.
Der Wind, heute noch stärker als gestern, unterstütze die Schiffsbauer bei allen Arbeiten die mit Schleifen zu tun haben, da der Wind den Staub angenehmerweise direkt weg pustet. Dennoch konnte nicht so gearbeitet werden wie gewünscht, was Audra und mir in soweit geholfen hat, als dass plötzlich ca. 5 Personen uns bei der Lösung des nichtvorhandenen Wassers im Container geholfen haben. Mit Erfolg! Endlich!
Die gerade eingekehrte Ruhe wurde vom eintreffen der Fähre unterbrochen, die plötzlich wie eine Wand im Hafen lag. Leider kommt der Eindruck auf den Fotos nicht so gut rüber wie in Natura, aber es führt dazu das das physikalische Verständnis sich irgendwie weigert zu glauben was es sieht. Die Fähre ist so groß das man sich fragt wie das Ding überhaupt in den Hafen passt. Der Kiel so riesig das man unmittelbar an Eisbrecher denkt und die Menschen an Deck so winzig das man an Opis Eisenbahnlandschaft im Keller erinnert wird. Die LKW’s sie aus dem Laderaum fahren sehen aus wie Spielzeuge und die Anzahl der Fahrzeuge im Laderaum zerrückt die eigene körperliche Anwesenheit zu einer Winzigkeit.
Mit meiner neu gewonnenen Menschlichkeit habe ich am Nachmittag unter Deck weiter für Ordnung gesorgt und bin so weit gekommen das das Schiff innen nun bewohnbar ist, die Küche funktioniert, der Baustaub größtenteils eliminiert ist und nur noch die Kabine in der die Segel eingelagert sind sowie das zweit Bad, dass als Lagerraum umfunktioniert war auf meiner Liste stehen. Den Ausklang der Arbeit habe ich mit einem Spaziergang in unmittelbarer Umgebung abgeschlossen. Die Landschaft hier ist so abwechslungsreich und Gegensätzlich das man sich nicht daran sattsehen kann. Eingetaucht in die Abenddämmerung bin ich zu einem alten Bunker oben auf dem Berg gegangen und habe die Landschaft eingefangen.